Katzenliebe

Kann man eine Katze überhaupt „lieben“?

Und kann eine Katze einen Menschen „wirklich“ lieben?

Das hängt am Ende nur davon ab, was man unter Liebe versteht.

Reicht die Beschreibung aus einem Wörterbuch?

Nein, da Wörterbuch-Definitionen nur die oberflächlichste Erklärung bieten, um kurzfristig einen Text verstehen und weiterlesen zu können.

„Mensch“ z. B. wird als „höchstentwickeltes Lebewesen“ mit bestimmten Fertigkeiten definiert, das zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Reicht diese Definition, um tiefgründige Aussagen über dich oder mich anzustellen? Gewiss nicht.

Wie beschreiben Wörterbücher „Liebe“?

  • DUDEN: starke Zuneigung / Bindung / vom Gefühl bestimmte Beziehung
  • PONS (zusätzlich): starkes Interesse für etwas, das man sehr mag
  • OXFORD (zusätzlich): intensives Gefühl tiefer Zuneigung
  • WEBSTER (zusätzlich): selbstlose, treue und wohlwollende Sorge um das Wohl eines anderen

Wie beschreiben die alten (antiken) Philosophen „Liebe“?

Liebe ist entweder

  • die selbstsüchtige Befriedigung eigener Bedürfnisse (Eros),
  • die Freundschaft, die auf Gegenseitigkeit beruht (Philia) oder
  • das selbstlose Wohlwollen, auch ohne Freundschaft oder Gegenseitigkeit (Agape).

Als perfekte Liebe galt in der Antike, wenn alle drei gleichzeitig erfüllt waren!

Die drei Ansätze von damals, die sich bis heute hartnäckig halten:

  • Sehnsucht nach der verlorenen Vollständigkeit (romantisch, Aristophanes)
  • Streben, letztendlich mit dem Guten und Schönen vereint zu sein (idealistisch, Sokrates)
  • Streben, mit Gott vereint zu sein, so dass die Liebe zu einem Menschen in Wahrheit ein Wegweiser zu Gott ist (christlich, Platon)

Wie beschreiben die neuen (modernen) Philosophen „Liebe“?

  • Gemeinsame Interessen:
    „Wer erkennt, was einem Menschen wichtig ist, und es sich zum Anliegen macht, ist ein Liebender.“ Wird es nicht erwidert, spricht man von „unglücklicher Liebe“.
  • Sehnsucht nach Sicherheit:
    „Liebe ist die Entrückung, die wir für Menschen und Dinge verspüren, die in uns die Hoffnung auf ein sicheres Fundament für unser Leben wecken.“ (Simon May); nach Siegmund Freud sogar die Sehnsucht nach der Sicherheit am Busen der Mutter.
  • Aus zwei Ichs ein Wir formen:
    „Die ‚Bühne der Zwei‘ entsteht, wenn der andere mit seinem Sein bewaffnet in mein Leben getreten ist und es damit zerbrochen und neu zusammengesetzt hat“ (Alain Badiou)

Was hat das mit meiner Katze zu tun?

Man erkennt, dass nicht alle Beschreibungen von „Liebe“ auf die Beziehung zwischen Katze und Mensch passen.

Vor allem moderne Betrachtungen schließen die Liebe zu Nicht-Menschen und Dingen aus: weder teilen Katzen unsere Interessen, noch werden aus zwei Ichs ein Wir.

Auch die antike Betrachtung passt nicht ganz. Insbesondere der sexuelle Aspekt, aber auch der göttliche nicht. Zumindest habe ich noch nie von einem Dosenöffner (Katzenbesitzer) gehört, dass er Katzen besitzt, um zu Gott zu finden.

Nur die (oberflächliche) Betrachtung eines Wörtbuchs passt (teilweise):

  • Starke Zuneigung / Bindung: auf jeden Fall, kann auch von beiden gezeigt werden.
  • Vom Gefühl bestimmte Beziehung: meistens ja, vor allem wenn man daran zurück denkt, wie man zueinander gefunden hat.
  • Intensives Gefühl tiefer Zuneigung: Ja, für die meisten Menschen gilt das und für viele Katzen auch, denkt man an die zahlreichen Videos trauriger Katzen, dessen Besitzer verreist oder sogar verstorben.

  • selbstlose, treue und wohlwollende Sorge um das Wohl eines anderen: selbstlos, treu und wohlwollend ja, aber Sorge um das Wohl eines anderen eher nur vom Menschen aus.
  • starkes Interesse für etwas, das man sehr mag: nein, da Katzen normalerweise kein starkes Interesse zeigen, selbst an den üblichen Aktivitäten eines Menschen nicht.

Fazit

1. Wer weiß schon, was Katzen unter „Liebe“ verstehen. Vielleicht erfüllt die Beziehung, die wir mit Katzen führen, vollständig alles, was sich eine Katze unter „Liebe“ vorstellt.

2. Von menschlicher Seite her lässt objektiv gesehen nur die oberflächliche Betrachtung eines Wörterbuchs eine gegenseitige, „echte Liebe“ zwischen Katze und Mensch zu.

Tiefgründiger muss man eine echte Liebe, zu der Menschen in voller Gänze in der Lage sind, zwischen Katze und Mensch verneinen. Darauf mag man traurig reagieren oder aber auch stolz, da dich das zu einem ganz besonderen Lebewesen macht.

3. Subjektiv gesehen gibt es mehrere Kombinationen, wenn dir etwas an der Liebe deiner Katze liegt:

  • Katze liebt dich; zeigt es dir (oder nicht); du glaubst aber nicht daran -> Resultat: du fühlst dich schlecht
  • Katze liebt dich nicht; zeigt es dir (oder nicht); du glaubst auch nicht an ihre Liebe -> du fühlst dich schlecht
  • Katze liebt dich; zeigt es dir (oder auch nicht); du glaubst an ihre Liebe -> Resultat: du fühlst dich gut
  • Katze liebt dich nicht; zeigt es dir (oder nicht); du glaubst aber an ihre Liebe -> du fühlst dich gut

In diesem Sinne:

Glaube versetzt ja bekanntlich Berge, da dürfte ein kleines Katzenherzchen doch wohl kein Problem sein, oder?

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