Katzen Schmerzen und Schmerztherapie

Katzen zeigen Schmerzen nicht so gern. Das heißt: Es wird dir wahrscheinlich nicht auffallen, wenn es ihr schlecht geht und du nicht informiert bist.

Daher ein paar nützliche Infos für Katzenfreunde:


Welche Schmerzen gibt es?

3 Arten:

  • Schmerz A: ausgelöst durch schädliche Reize wie Schnitte, starke Hitze usw. (nozizeptiver Schmerz)
  • Schmerz B: ausgelöst durch die Aktivierung des Immunsystems als Reaktion auf eine Verletzung oder Infektion (inflammatorischer Schmerz)
  • Schmerz C: ausgelöst durch Änderungen auf kleinster anatomischer Ebene, die zu Hypersensibilität führen, z. B. übertriebene Reaktion auf kleine Verletzungen oder Schmerzen an einer Stelle, die man leicht drückt (pathologischer Schmerz)

Wie geht Schmerz-Therapie?

Mit dem PEBBE-Schema:

  • Plane: Zuerst musst du die Schmerzen erkennen und auch bewerten.
  • Erwarten: Schmerzen lassen sich voraus sehen, z. B. wenn deine Katze ein bestimmtes Alter erreicht hat.
  • Behandle: Tue etwas gegen die Schmerzen.
  • Beurteile: Schätze ein, wie gut die Behandlung war.
  • Erneuere: Fang wieder mit der Planung an oder beende die Therapie, je nach deiner Beurteilung. Das ist der wichtigste Schritt.

Die einzelnen Schritte werden im Folgenden näher erläutert:


Wie erkenne ich akute Schmerzen?

Die 2 typischsten Zeichen für akute Schmerzen sind:

  • Schielen, nach außen oder nach innen:
  • Bucklige, kompakte, zusammengestaute Bauch-Schlafposition:

statt der normalen, entspannten Bauch-Schlafposition:

oder der normalen, zusammengerollten, seitlichen Schlafposition:


Wie erkenne ich chronische Schmerzen?

Durch Beobachtung des Verhaltens deiner Katze.

Eltern bringen ihre Kinder zum Arzt, wenn etwas PASSIERT, z. B. wenn das Kind hinfällt und blutet. Katzenbesitzer sollten ihre Katze zum Arzt bringen, wenn sich ihr Verhalten ÄNDERT.

Du musst darauf achten, ob oder wie gut deine Katze

  • ihr normales Verhalten aufrecht erhält
  • ihr normales Verhalten verliert
  • neues Verhalten entwickelt

Die 2 typischsten Zeichen für chronische Schmerzen sind:

  • Ungepflegtes, verfilztes oder vernachlässigtes Fell:
  • Neben die Toilette machen:

Wie bewerte ich Schmerzen?

Mit einer Schmerz-Skala.

Neben der Temperatur, dem Puls und der Atmung gilt die Punktezahl auf der Schmerz-Skala als das vierte Lebenszeichen..

Eine Schmerz-Skala macht dich objektiver. So kannst du deiner Katze besser helfen.

Im Folgenden stellen wir 2 gute Skalen für Katzen vor:

FMPI-Skala

Das Tierärztliche Zentrum für komparative Schmerzforschung und -bildung der Universität von North Carolina (NCSU) hat eine Schmerz-Skala entwickelt – den Feline Musculoskelatal Pain Index (Katzen Bewegungsapparat Schmerz Index).

Die Skala ist gut für Katzenbesitzer, die gar nicht wissen, ob ihre Katze Schmerzen hat.

Beantworte 17 Fragen mit jeweils einer der folgenden Antwort-Möglichkeiten:

  • Normal, wie immer (O Punkte)
  • Nicht ganz normal (1 Punkt)
  • Schlechter als sonst (2 Punkte)
  • Kaum oder nur mit großer Mühe (3 Punkte)
  • Gar nicht (4 Punkte)

Zähle dann alle Punkte zusammen: insgesamt 0 Punkte = keine Schmerzen; insgesamt 68 Punkte = maximale Schmerzen.

  1. Bewegt sich leichtfüßig?
  2. Rennt?
  3. Springt hoch? (wie gut? wie leicht?)
  4. Springt auf Küchenzeilen-Höhe mit einem Satz?
  5. Springt runter (wie gut? wie leicht?)
  6. Klettert Stufen oder Treppen hoch?
  7. Klettert Stufen oder Treppen runter?
  8. Spielt mit Spielzeug und / oder jagt Dinge?
  9. Spielt und interagiert mit anderen Haustieren oder Katzen?
  10. Steht aus einer Ruhe-Position heraus auf?
  11. Legt und / oder setzt sich hin?
  12. Streckt sich (aus)?
  13. Putzt / pflegt sich?
  14. Interagiert mit dir oder anderen Familienmitgliedern?
  15. Toleriert gestreichelt und / oder auf dem Arm getragen zu werden?
  16. Isst?
  17. Benutzt Katzenklo? (geht rein? geht raus? hockt? bedeckt Ausscheidungen mit Streu?)

UNESP-Skala

Die Universität Estadual Paulista (UNESP) in Brasilien hat eine richtig gute Schmerz-Skala für Katzen entwickelt – die UNESP-Botucatu Multidimensional Composite Pain Scale.

Die Skala ist gut für Leute, die wissen, dass ihre Katze Schmerzen hat. Zum Beispiel Katzenbesitzer, die den Schmerz-Verlauf verfolgen wollen oder Tierärzte, die während einer Schmerz-Therapie eine Katze zur Nach-Untersuchung da haben und alles schnell bewerten müssen.

Zähle einfach die Punkte zusammen. Insgesamt 0 Punkte = keine Schmerzen; insgesamt 30 Punkte = maximale Schmerzen.

  • Verhalten
    • Die Katze bleibt ruhig liegen, bewegt aber ihren Schwanz
    • Die Katze bewegt ihre Hinterbeine und / oder Bauchmuskeln
    • Die Augen der Katze sind nur halb geöffnet
    • Die Katze leckt oder beißt die Wunde / verletzte Stelle
      • Keines dieser Verhalten trifft zu (0 Punkte)
      • 1 dieser Verhalten trifft zu (1 Punkt)
      • 2 dieser Verhalten treffen zu (2 Punkte)
      • 3 dieser Verhalten treffen zu (3 Punkte)
  • Reaktion auf das Abtasten der Wunde / verletzten Stelle
    • Keine Reaktion (z. B. Miauen oder Beißen) auf Berührung oder Druck (0 Punkte)
    • Keine Rektion auf Berührung, aber auf Druck (1 Punkt)
    • Reaktion auf Berührung und auf Druck (2 Punkte)
    • Reaktion auf Annäherung an die Wunde / verletzte Stelle (3 Punkte)
  • Reaktion auf das Abtasten des Bauches / Unterleibes
    • Keine Reaktion auf Berührung oder Druck (0 Punkte)
    • Keine Rektion auf Berührung, aber auf Druck (1 Punkt)
    • Reaktion auf Berührung und auf Druck (2 Punkte)
    • Reaktion auf Annäherung (3 Punkte)
  • Laute
    • Die Katze ist leise oder schnurrt / miaut bei Stimulation oder Interaktion (0 Punkte)
    • Die Katze schnurrt spontan ohne Stimulation oder Interaktion (1 Punkt)
    • Die Katze knurrt, stöhnt oder zischt bei Interaktion (2 Punkte)
    • Die Katze knurrt, stöhnt oder zischt spontan ohne Interaktion (3 Punkte)
  • Haltung
    • Die Katze hat eine normale Körperhaltung und ist entspannt (0 Punkte)
    • Die Katze hat eine normale Körperhaltung, ist aber angespannt und bewegt sich kaum (1 Punkt)
    • Die Katze sitzt oder liegt auf dem Bauch mit gekrümmtem Rücken und gesenktem Kopf; oder die Katze liegt auf dem Rücken mit ausgestreckte oder eingezogenen Hinterbeinen (2 Punkte)
    • Die Katze wechselt häufig ihre Position, um eine angenehme Haltung zu finden (3 Punkte)
  • Bequemlichkeit
    • Die Katze zeigt Interesse an der Umgebung und interagiert mit ihr (0 Punkte)
    • Die Katze ist leise, zeigt wenig Interesse an der Umgebung und reagiert träge auf Interaktion (1 Punkt)
    • Die Katze ist still, zeigt kein Interesse an der Umgebung und reagiert nicht auf Interaktion (2 Punkte)
    • Die Katze ist unbehaglich rastlos, zeigt wenig bis kein Interesse an der Umgebung und reagiert träge auf Interaktion (3 Punkte)
  • Aktivität
    • Die Katze bewegt sich normal, kommt sofort aus der Transport-Box und reagiert schnell auf Interaktion (0 Punkte)
    • Die Katze bewegt sich mehr als sonst, z. B. ständig von einer Seite zur anderen in der Transport-Box (1 Punkt)
    • Die Katze ist stiller als sonst, kommt nur langsam aus der Box, möchte schnell wieder in sie rein, reagiert träge auf Interaktion (2 Punkte)
    • Die Katze hält still und versteift sich, lässt sich nicht aus der Box holen oder sonstwie bewegen (3 Punkte)
  • Einstellung / Wohlbefinden
    • A – Zufrieden: Die Katze ist aufmerksam, interessiert an der Umgebung, freundlich und interaktiv
    • B – Uninteressiert: Die Katze interagiert nicht gut, spielt nicht viel, reagiert nicht darauf, wenn der Besitzer nach ihr ruft oder sie streichelt
    • C – Unentschlossen: Die Katze zeigt kein Interesse an der Umgebung
    • D – Ängstlich: Die Katze versucht sich zu verstecken oder zu fliehen und reagiert nervös auf Interaktion (knurrt oder zischt)
    • E – Aggressiv: Die Katze beißt oder kratzt bei Interaktion
      • A trifft zu (0 Punkte)
      • 1 aus B, C, D oder E trifft zu (1 Punkt)
      • 2 aus B, C, D oder E treffen zu (2 Punkte)
      • 3 oder 4 aus B, C, D oder E treffen zu (3 Punkte)
  • Arterieller Blutdruck
    • 0% bis 15% über normal (0 Punkte)
    • 16% bis 29% über normal (1 Punkt)
    • 30% bis 45% über normal (2 Punkte)
    • mehr als 45% über normal (3 Punkte)
  • Appetit
    • Die Katze isst normal, wie immer (0 Punkte)
    • Die Katze isst mehr als sonst (1 Punkt)
    • Die Katze isst weniger als sonst (2 Punkte)
    • Die Katze hat kein Interesse an Essen (3 Punkte)

Wie behandle ich Schmerzen?

Mit pharmazeutischen und nicht-pharmazeutischen Methoden.

Nicht-pharmazeutische Methoden

  • Gewicht-Optimierung: Fett-Gewebe sondert Stoffe in den Körper ab, die viele Krankheiten fördern. Besonders bei chronischen Schmerzen ist die Erhaltung / Wiedererlangung eines optimalen Gewichts wichtig.
  • Akupunktur: Diese seit 1998 wissenschaftlich anerkannte Methode ist minimal-invasiv, verursacht keine Schmerzen und konnte bei Katzen schon häufig mit Erfolg zur Schmerz-Therapie eingesetzt werden.
  • Physische Rehabilitation: Besonders bei Arthrose tragen Training-Übungen, Massagen, passives Bewegen der Gelenke, die Stimulation des Bindegewebes durch Myofascial Release und elektrische oder Laser-Stimulation der Nerven oder Muskeln zur Schmerzbekämpfung bei.
  • Ernährung-Management: Diäten mit Omega-3 Fettsäuren haben sich besonders bei Arthrose-Patienten als hilfreich gezeigt.
  • Thermale Modifikation: Bei akuten Schmerzen helfen oft kalte und bei chronischen Schmerzen warme Umschläge.
  • Umwelt-Modifikation: Stress zieht besonders bei Katzen sehr VIELE negative Dinge nach sich. Besonders während des Heilungsprozesses ist eine störungsfreie Umgebung wichtig.
  • Chiropraktik: Zumindest Menschen kann Chiropraktik kurzzeitig bei Schmerzen helfen.
  • Homöopathie: Wirkt bei Katzen gut, aber nur bei „kleineren“ Zuständen, die nichts mit Schmerzen zu tun haben. Bei Schmerzen ausschließlich Homöopathie anzuwenden ist daher so, als würdest du deiner Katze die Schmerz-Therapie verweigern.

Pharmazeutische Methoden

Das sprich mal besser mit einem Tierarzt ab.

Was Katzenbesitzer meistens nicht wissen: Viele harmlose Schmerzmittel – zum Beispiel Paracetamol – sind hochgradig giftig für Katzen; so sterben jedes Jahr etliche Katzen an der vermeintlichen Hilfe ihrer Besitzer, die ohne Rücksprache mit einem Tierarzt handeln.

  • Opioide: Schmerzmittel spielen bei der Behandlung von Menschen eine enorm große Rolle. Daher kann es sein, dass wir die Rolle von Schmerzmitteln bei der Behandlung von chronischen Schmerzen bei Katzen enorm unterschätzen. Hier braucht es noch mehr Forschung und Daten aus der Anwendung.
  • Nicht-steroidale anti-inflammatorische Mittel: Die Mehrheit aller Schmerzen verursachenden Zustände enthält eine Entzündung. Dann sind entzündungshemmende Mittel gegen Schmerzen gut.
  • Lokale Anästhesie: Besser als Voll-Narkose.
  • Alpha-2-Adrenalin-Agonist: Wird verabreicht, um die Wirkung von Opioiden zu verbessern.
  • Ketamin: Kann bei Menschen Schmerzen verhindern. Wurde bei Katzen noch nicht gut untersucht.
  • Systemisches IV Lidocain: Besonders bei Schmerzen des Unterleibes erfolgreich. Bei Katzen wurde allerdings ein negativer Effekt auf das Herz-Kreislaufsystem entdeckt.
  • Tramadol: Während Hunde kaum darauf reagieren, schlägt Tramadol bei Katzen voll ein. Allerdings gibt es auch hier noch wenig Langzeit-Daten.
  • Gabapentin: Besonders wirkungsvoll gegen Schmerzen, die auf Nerven-Krankheiten oder Arthrose zurückzuführen sind.
  • Amantadin: Eigentlich gegen Parkinson eingesetzt, hilft es auch bei chronischen Schmerzen und Arthrose.
  • Trizyklisches Antidepressivum: Wirkungsvoll gegen Schmerzen, die auf Nerven-Krankheiten zurückzuführen sind.
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer: Sollten bei Katzen nicht verwendet werden.
  • Acetaminophen: Sollten ebenfalls nicht bei Katzen verwendet werden.
  • Maropitant: Unterdrückt Übelkeit und Brechreiz bei starken Schmerzen oder nach Operationen.
  • Bisphosphonate: Zur Behandlung von Knochen-Krankheiten und daraus resultierenden Schmerzen.
  • Corticosteroide: Haben zusätzlich eine entzündungshemmende Wirkung.
  • Polysulfat Glycosaminoglycan (Adequan): Wird zur Schmerz-Behandlung bei Arthrose / Arthritis genutzt.
  • Nutraceutical: Nahrungsergänzungsmittel, die gegen Schmerzen helfen. Bitte nur von anerkannten, gewissenhaften Produzenten kaufen.

Wie beurteile ich den Erfolg der Schmerztherapie?

Mit der Schmerz-Skala.

Führe erneut einen Test durch. Wenn sich einer der Punkte verbessert, hast du schon etwas erreicht. Falls nicht oder es noch schlimmer wird, sprich mit dem Tierarzt ab, was man ändern oder sonst noch tun kann.

Suche gezielt Informationen zu der Krankheit / Verletzung deiner Katze. Meistens findet man so Erfahrungsberichte anderer Katzenbesitzer und gute Tipps, an die man noch nicht gedacht hat.

Wir wünschen deiner Katze jedenfalls gute Besserung und eine erfolgreiche Therapie.

2 Responses to Katzen Schmerzen und Schmerztherapie

  1. Birte Maurer sagt:

    Meine Katze „Momo“ macht seit einigen Tagen immer wieder neben oder vor ihr Katzenklo. Ich habe mir erstmal nichts dabei gedacht, aber werde morgen doch mit ihr zum Tierarzt gehen, nachdem ich hier gerade gelesen habe, dass es ein Zeichen für chronische Schmerzen sein könnte. Danke auch für die Schmerzskala, ich werde mit Momo direkt mal eine Schmerztherapie durchführen.

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